"Ich schrotte meinen Körper"Cup der hohen Sprünge
Nacheinander geht es für jeden Teilnehmer darum, per Zeige- und Mittelfinger mit dem eigenen Miniaturskateboard - ähnlich wie beim Skateboarding - diverse Flip- und Grindtricks zu meistern, also mit einem Teil des Skateboard-Decks oder den Achsen über ein Hindernis zu rutschen. "Keiner hat sich etwas gebrochen", wird Robert Rausch am Ende des ersten Wettkampftages lachend verkünden. Die Reportage von Matthias Walz "Der Fingerboardcontest hat sich gegenüber den Vorjahren gesteigert. Es ist ein hohes Niveau. Gute Fahrer sind mit dabei", schwärmt Rausch. 26 Fahrer aus der Schweiz, aus Frankreich und auch vier Karlsruher frönen dem Feinmotorik-Sport - so viele wie nie zuvor. Drei Jurymitglieder bewerten Style, Consistence und Technik der Fingerakrobatiker. 13 Fahrer haben sich für das sonntägliche Finale qualifiziert. Nach den Finalkämpfen am Sonntag wird sich der letztjährige Sieger Philipp Reinhardt aus Bad Mergentheim diesmal mit dem zweiten Platz hinter Emanuel Oberle (Goghausen) begnügen müssen.
Derweil geht's hinter den Kulissen des "Fest Cups" hoch her. Die Organisatoren Andreas Preißler (zuständig für Catering, Aufbauteam, Security, Pressenachbereitung) und Dirk Schneider (verantwortlich für Technik, Logistik und Beschallung) arbeiten auf Hochtouren. Beide sind ein eingespieltes Team und haben dabei die Fäden sicher in der Hand - auch wenn dauernd daran gezogen wird.
Während sie im Backstage-Bereich zwischen Anmeldung und Skaterzelt (mit Plastikschwimmbecken) hin- und herrennen, werden sie von Wettkampfteilnehmern, "Fest Cup"-Mitarbeitern oder Vertretern der schreibenden Zunft ununterbrochen mit Fragen bombadiert. Selbst das Zelt, an welchem ein Schild mit großen Lettern "stuff" prangt, ist kein Ruhepol, wenn Wettkampf-Ergebnisse in das Notebook gehackt werden müssen und der Drucker dauernd Papier ausspuckt. "Auch wenn ich manchmal etwas gestresst aussehe - es macht riesigen Spaß", so Dirk Schneider.
"Hier gibt es Regeln. Das ist kein wilder Skatepark" Als "Stressigen Spaß" bezeichnet Andreas Preißler seine Zeit beim "Fest Cup". "Es läuft super. Vom Ablauf her ist es Bombe. Wir haben mit wenig Geld viel erreicht", freut sich der 31-Jährige, dem es "ultra wichtig ist, dass alle Teilnehmer zufrieden sind". Ungefähr hundert davon stehen in den Wettkampf-Startlöchern: Ob Skater, die auf der Halfpipe oder der Miniramp ihre Tricks präsentieren, BMX-Fahrer die sich beim "MTB/BMX Dirt Jam" austoben oder die Fingerboard-Künstler - alle sollen sich wohl fühlen.
Gleichzeitig sollte der Spaß auch abseits der Rampe, der BMX-Strecke oder des Fingerboard-Holzparcours in geordneten Bahnen verlaufen. "Bitte keine Getränke und Speisen rein und raus nehmen. Sonst Platzverweis. Danke Männer!" steht auf einem Schild neben dem Imbiss- und Getränkestand für die Fahrer klar und deutlich zu lesen. Dennoch veruchen etliche, ihr Bier oder Steakweck aus dem Backstagebereich zu schmuggeln. Da braucht man schon eine Menge Geduld als Veranstalter.
"In den ersten Jahren war's noch etwas komisch. Da musste ich schon manchmal einen Brüller loslassen und zeigen, dass es hier Regeln gibt", so Dirk über die Kommunikation mit dem zum Großteil noch jungen Fahrerfeld. Bis zu einem gewissen Grad seien das auch Erziehungsmaßnahmen von Jugendlichen, deren "Eltern mit dem Skaten nichts anfangen können". Aber die meiste Zeit läuft's sehr gut mit den Teilnehmern. "Die merken, dass wir alles für sie tun." Auch die Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendausschuss klappe sehr gut. "Die Wege sind sehr kurz geworden, es herrscht beiderseitiges Vertrauen. Die wissen, das ist kein wilder Skatepark." Tricks und laute Musik - Fahrer und Publikum feierten gemeinsam Am Samstagnachmittag um 16 Uhr brausen derweil die BMX-Fahrer mit Helm und Schienbeinschonern über drei aufgeschüttete Rampen bei der "MTB/BMX Dirt Jam". Der von Daniel Krickeberg und Alex Hainz geleitete Event feiert dieses Jahr seine Premiere beim "Fest Cup" in der "Klotze". Szenenapplaus brandet auf, wenn die Fahrer über die Erdhügel springen und Tricks in der Luft zeigen.
Von den angekündigten Vorausscheidungen der Skateboarder kommen am Samstag nur noch die Teilnehmer des "Titus Karlsruhe Miniramp Contest" zum Zuge, deren Sieger am Ende des finalen Sonntags Leo Leifert aus Wiesbaden heißen wird. Der einsetzende Regen macht den Startern in der Königsdiziplin, der Halfpipe, einen Strich durch die Rechnung.
Am Sonntag kann bei strahlendem Sonnenschein der Zeitplan mit ein wenig Verzögerung eingehalten werden. Es ist 17 Uhr am Nachmittag und die Stimmungskanone am Mikrophon kennt keine Gnade: "Hier ist mehr Ruhe als Karls" und "wenn ich sach', sach' mal, sacht ihr geht's noch" schallt es am nächsten Tag aus der Kehle des Moderators und Sprücheklopfers Sebastian Schröder. Mit sich wiederholender, zweifelhafter Verbalakrobatik versucht der "Halfpipe-Animateur" das Publikum zu noch mehr Begeisterung anzutreiben.
Nicht nötig angesichts des feinen Wetters und dem zu sehenden Spektakel auf der Halfpipe. Skater aus Tschechien, Australien, Holland und dem gesamten Bundesgebiet düsen auf der großen U-förmig konstruierten Anlage die senkrechten Steilwände hoch und zeigen Lip- oder Flugtricks an der Abschlusskante der Steilwand oder oberhalb derselben. Professionelle Fahrer wie Amateure des Club Of Skaters (C.O.S.) hatten sichtlich Spaß und das Publikum auch. So wurde bei Flip-Tricks und lauter Punk-, Ska- und Rockmusik gemeinsam gefeiert. Anders Tellen ist "Deutscher Meister Skateboard Halfpipe"
Feiern durften nach zwei grandiosen Finalläufen am Ende des Tages bei der Siegerehrung um 19 Uhr Steven Schmidt aus Eisenach, Sieger der B-Gruppe ("C.O.S Vert Cup AM") und Trevor Ward, Sieger der A-Gruppe ("C.O.S Vert Cup PRO"). Der 29-Jährige Australier war Publikumsliebling und durfte sich über ein Preisgeld von 500 Euro freuen. Im jungen Alter von acht Jahren hat er mit dem Skaten begonnen. "It's good organized. C.O.S. always do a good job", lobte er die Veranstaltung. Der offizielle "Deutsche Meister Skateboard Halfpipe" hieß am Ende Anders Tellen (Dortmund), der hinter Ward Zweiter wurde - vor Nathan Beck (Australien). "Es hat alles gepasst".
Er selbst hatte eigentlich Sascha Rösler als Sieger auf der Rechnung, doch der Favorit hatte "nicht den besten Tag" und schob's auf die Sonne, welche die "Rampe immer weicher" werden ließ. Seit 1986 lebt der 29-Jährige vom professionellen Skateboarden und ist beinahe jedes Wochenende auf einem Event: "Ich schrotte meinen Körper". Es gab wohl ein, zwei Unstimmigkeiten mit den "Fest Cup"-Machern bezüglich der Zahl der Finalteilnehmer, ansonsten war er mit der Arbeit der Organisatoren aber zufrieden.
Und die freuten sich über die "positive Resonanz bei den Fahrern und Zuschauern" und eine gelungene Veranstaltung, deren Aktionen den Sportpark belebt hat. Andreas Preißler und Dirk Schneider sahen am Ende abgekämpft aus. Kein Wunder - nach einem halben Jahr an Planung, einer viermonatigen Vorbereitungszeit und der "Rush Hour" in den letzten Wochen. Erst gegen Ende der Woche werden sie alles abgebaut und den letzten Stecker gezogen haben. "Fest Cup"-Zuschauer und Fingerboarder müssen nun wieder ein Jahr lang warten, bis es in Karlsruhe heißt "Die Judges sind bereit. Dreißig Sekunden für dich." | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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